Editorial

Verehrte Leserinnen und Leser,

diese Seite habe ich auf https umgestellt. Beim Provider war dafür ein Wechsel zum nächstgrößeren Agebot inklusive Serverwechsel erforderlich. Aufrufe der Seite mit http werden weiter geleitet. Sie erreichen die Seite also trotzdem. Die früheren Artikel habe ich nach einer Neuinstallation von WordPress übertragen.

Herzlichst, Andreas Pramann (Herausgeber)

Empfehlungen und Notizen

In meinem Drang, zu viele Blogs aufzumachen, versuchte ich mein Glück auch wieder in der Blogcommuniy WordPress.com. Allein ich hatte keine Leser auf meinem Notizblog. Um es deutlich zu sagen, es gab exakt 0 Zugriffe auf die Seite, auf der ich Links und kurze Anmerkungen zu Themen der Zeit sammeln wollte. Daher schließe ich die Seite wieder, ohne allerdings einige interessante Links der Welt vorenthalten zu wollen. Es folgen also die gesammelten Werke aus einem demnächst zu löschenden Notizbuch.

Fragen
vom 26.3.2017

Don’t Forget—Trump’s Biggest Problem Is Still Russia, Daily Beast vom 25.3.2017, Autorin: Joy-Ann Reid

Können noch unangenehme Geschichten aus dem Wahlkampf auftauchen?. Hatten Mitarbeiter Donald Trumps Verbindungen zu Russland, die möglicherweise illegal waren? Es könnte noch spannend werden in Washington.

Weniger Leben
vom 26.3.2017

In den USA sterben immer mehr Weisse den «Tod durch Verzweiflung», NZZ vom 24.3.2017, Autor: Peter Winkler

Eine bedenkliche Entwicklung haben die Ökonomen Anne Case und Angus Deaton nachgewiesen. Die Ursache der geringer werdenden Lebenserwartung der weißen Unterschicht ist wohl noch nicht ganz klar und bedarf weiterer Forschung. Gerade für diese Menschen ist es gut, das der Angriff Donald Trumps auf Obamacare vorerst gescheitert ist.

Europa
vom 26.3.2017

Gibt es etwas zu feiern, sechzig Jahre nach der Unterzeichnung der Römischen Verträge? Ich meine ja. Bei allen Schwierigkeiten verdanken wir auch der EU und ihrer Vorgänger eine lange Friedenszeit, wie sie frühere Generationen nicht erlebt haben. Die schnelle Integration Deutschlands in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – zunächst nur des Westens – wurde möglich. Und nicht zuletzt bot der gemeinsame Markt wirtschaftliche Vorteile. In einer Zeit, in der nationalistische Lösungen in Europa wieder Zulauf haben, kann man immer weniger in der bequemen Beobachterrolle verharren, in der auch ich mich, ehrlich gesagt, ganz wohl fühle. Fatalistisch dem Treiben da draußen zuzusehen geht immer weniger. Ich werde daher heute zum ersten Mal zur Veranstaltung von Pulse of Europe gehen und meine Einstellung öffentlich machen.

Die Zukunft Europas
vom 23.4.2017

Ein Interview mit Joschka Fischer:

Fischer wünscht sich einen Neustart der EU, Luzerner Zeitung vom 25.3.2017, Interview: Dominik Weingartner

Die EU und ihr Ende
vom 23.4.2017

Thomas Hürlimann: «Die EU wird sich von selbst erledigen», NZZ vom 22.4.2017, Interview: Felix E. Müller

Thomas Hürlimanns Bewertung der Städte Berlin und Leipzig ist interessant und nicht von der Hand zu weisen. Der Schweizer Autor sieht Berlin als Wendeverlierer. Der Westteil habe bis 1989 von Subventionen gelebt, die nach 1989 weggefallen seien. Im Ostteil hätten die Privilegierten des DDR-Regimes gelebt, die nach der Wende ihre Privilegien verloren hätten. Wendegewinner sei dagegen Leipzig, das mit den Montagsdemonstrationen das DDR-Regie zu Fall gebracht habe.

Erkenntnisse
vom 26.4.2017

The Media Bubble Is Worse Than You Think, Politico Magazine, Mai/Juni 2017, Autoren: Jack Shafer und Tucker Doherty

Die Medien wurden vom Wahlsieg Donald Trumps überrascht. Warum war das so? Jack Shafer und Tucker Doherty sehen den Grund in der Media Bubble (dt.: Medienblase), der räumlichen Konzentration von Medienunternehmen und Journalisten in den Küstenregionen der USA.

Nachlässigkeiten

Ein Angriff auf Computersysteme mittels sogenannter Ransomware1 ist jetzt bekannt geworden. Betroffen ist unter anderem der National Health Service in Großbritannien, das staatliche Gesundheitssystem des Landes. Die Schadsoftware verschlüsselt die Daten auf der Festplatte der Nutzer und gibt sie erst nach einer Lösegeldzahlung wieder frei. Oder auch nicht. Das könnte also noch spannend werden.

Ursprünglich von der NSA entwickelt, verlor der Geheimdienst irgendwann die Kontrolle über die Software. 2016 wurde die Software von Hackergruppen veröffentlicht, berichtet Patrick Beuth in einer lesenswerten Zusammenfassung der Vorgänge in der Zeit:

Alles, was schief gehen konnte, ZEIT ONLINE vom 13.5.2017, Autor: Patrick Beuth

Betroffen sind Computersysteme mit veraltetem Windows XP, für das es keine Updates mehr gibt und neuere Systeme, die aus Bequemlichkeit keine Updates erhalten. Betroffene Nutzer hatten es also in diesem Fall durchaus in der Hand, sich zu schützen. Aber man kann die Schuld nicht nur auf die Nutzer schieben. Entwickelt hat die Schadsoftware schließlich der Geheimdienst NSA. Die Gefahren eines solchen Vorgehens waren vorher bekannt, wie Edward Snowden auf Twitter anmerkt: „Trotz Warnungen baute die NSA gefährliche Angriffswerkzeuge, die auf westliche Software zielten. Heute sehen wir die Kosten: …“ (Übersetzung von mir).

Neuere Windows-Versionen, die dann auch noch aktuelle Updates erhalten, sind von der beschriebenen Software nicht betroffen. Microsoft hat die Sicherheitslücken geschlossen.
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1 ransom: Lösegeld, Lösegeldforderung

Über die Gründe einer Niederlage

Am letzten Sonntag ist die Landtagswahl in Schleswig-Holstein nicht gut ausgegangen für die SPD. Die Partei erreichte 27,2 Prozent (minus 3,2 Prozentpunkte). Die meisten Stimmen erhielt die CDU mit 32,0 Prozent (plus 1,2 Prozentpunkte). Auf der Suche nach Gründen geriet schnell ein Interview in die öffentliche Diskussion, das der Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) vor der Wahl der Bunten gegeben hatte. Albig äußerte sich darin etwas unglücklich über die Gründe der Scheidung von seiner Ex-Frau. In der SPD scheint man diesen Fauxpas dankbar aufzunehmen und als einen der wesentlichen Gründe für die Wahlniederlage zu sehen. Das lenkt zum Beispiel ab von der Frage, ob der SPD-Vorsitzende Martin Schulz, dessen Umfragewerte in jüngster Zeit gesunken sind, das Ergebnis beeinflusst hat.

Michael Graeter, Journalist und Experte für den Boulevard, zweifelt im Spiegel (online) eine große Wirkung von Albigs Interview auf das Wahlergebnis an. Und auch Michael Hanfeld hält in der FAZ (online) nicht viel von dieser These.

Martin Schulz ist als SPD-Vorsitzender grandios gestartet. Die Euphorie des Anfangs ist aber, so scheint mir, verflogen. Schulz ist gestartet mit dem Thema Gerechtigkeit. Gerechtigkeit ist ein Wert, der zunächst gut klingt, aber doch schwer zu fassen ist. Erhebt man so eine Forderung, muss man schon konkreter ausführen, was Gerechtigkeit in den verschiedenen Politikfeldern bedeutet. Es geht um sozialpolitische Maßnahmen, aber auch um Steuern und Steuersätze zu ihrer Finanzierung. Es geht um die Verringerung der Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen. Und es geht vielleicht bald auch um die Verteilung von Sozialleistungen zwischen Zuwanderern und Alteingesessenen, also um wirkliches Teilen. Fragen wie diese muss die SPD erst noch beantworten. Dabei hat sich die Zeit zwischen der Anfangseuphorie bei der Wahl von Martin Schulz und den geplanten programmatischen Beschlüssen als zu lang erwiesen, um die gute Stimmung für die SPD zu halten. Hier liegt meiner Meinung nach ein Grund für das schlechte Abschneiden der SPD in Schleswig-Holstein.

Am nächsten Sonntag werden wir hoffentlich etwas schlauer sein. Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wird mutmaßlich ohne den Sondereinfluss eines Interviews in einem bunten Blatt stattfinden.

Methoden und Verluste

Pflanzen und Laub hiter einem Maschendrahtzaun

Nach Harald Martenstein macht sich auch Don Alphonso Gedanken über die mutmaßlich schwindende Wählerschaft der grüne Partei:

Grüne Denunzianten küsst und wählt man nicht, Deus ex Machina (FAZ) vom 29.4.2017

Der Autor beleuchtet dem Umgang von Teilen der Grünen mit dem politischen Gegner. Diese persönlich zu treffen, ist ein Vorgehen, das bei den Grünen zuletzt häufiger zu beobachten war. Der Blogbeitrag illustriert sachlich anhand von solchen Vorgängen aus der jüngsten Zeit, woran es liegt, dass die Grünen nicht mehr so erfolgreich sind. Das ist enttäuschend für viele, die der grünen Partei einst wohlgesonnen waren.

Eine Sicht von außen

Die Rolle Deutschlands als Mittelmacht ist eine Schwierige. Diese Rolle erfordert ergänzend zur Durchsetzung der eigenen Ziele auch die Berücksichtigung der Interessen anderer Staaten, vor allem in der EU. Ich meine mich zu erinnern, dass so ein Ausgleich zwischen den EU-Partnern zur Zeit des Bundeskanzlers Helmut Kohl auch gut funktioniert hat. Der folgende Artikel legt nahe, dass Deutschland auf diesem Feld heutzutage Defizite hat. Der Autor beleuchtet das Arroganzproblem der Deutschen und führt ein deutsches Wort in den Wortschatz der internationalen Leserschaft ein: Besserwisserei.

Germany Has an Arrogance Problem, Foreign Policy vom 27.4.2017, Autor: Paul Hockenos

Beispiele deutscher Politik, mit denen der Autor seine These belegt, sind die von Berlin forcierte Austeritätspolitik für die Krisenländer in der EU und die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands, die zu wirtschaftlichen Ungleichgewichten in der EU führen. Letztere würden in Deutschland nur als Beweis der eigenen Leistungsfähigkeit gesehen und nicht auch als Folge eines für die deutschen Verhältnisse unterbewerteten Euros und des billigen Öls.

Wenn der Artikel auch nicht dazu verleiten sollte, die deutschen Interessen vollständig aufzugeben, ist er doch eine Mahnung an die Regierenden in Berlin, zumindest über den Politikstil nachzudenken.

Die Gründe des Verblassens

Pflanzen und Laub hiter einem Maschendrahtzaun

Die Grünen haben nach den jüngsten Umfragen an Zustimmung verloren. Die Fünf-Prozent-Hürde ist in Sichtweite bei den kommenden Bundestagswahlen. Der nächste Bundestag ohne die Grünen erscheint möglich. Man ahnt, woran es liegt, ohne lange nachzudenken. Harald Martenstein hat länger nachgedacht und die Gründe für den Niedergang der Grünen aufgeschrieben:

Warum ich die grüne Anti-Freiheits-Partei nicht wählen kann
Tagesspiegel Causa vom 27.4.2017